Historisches
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I.    Historisches und Anekdotisches oder:

Wie wir wurden, was wir sind - die Geschichte  des Schulwesens in Börger



Im Juni 1992 feierte die Schule Börger ihr 200-jähriges Bestehen mit einem großen Schulfest. Auf des Festversammlung hier der damalige Rektor Heinrich Wesseln einen Vortrag über die Entwicklung des Schulwesens in Börger. Der folgende historische Überblick stützt sich im Wesentlichen auf die damaligen Ausführungen. Zum anderen kann auf die Schulchroniken zurückgegriffen werden, die von den Schulen schon immer geführt werden.

Seit mindestens 1792, (wahrscheinlich aber schon länger,) gab es in Börger einen geregelten Schulbetrieb. Davor wurde sicherlich, wie in den anderen Dörfern auch, Unterricht erteilt. Dieser wurde von „Lehrern" erteilt, die hauptberuflich einer anderen Betätigung nachgingen und die besonders in den Wintermonaten in der Lehrertätigkeit eine zusätzliche Einnahmequelle sahen. Besondere Schulgebäude gab es auch nicht.

Die Entwicklung einer allgemeinen Schulpflicht vollzog sich im 18. Jhd. Sie stand im Zusammenhang mit der Entstehung und dem Ausbau der Territorialstaaten, für die Preußen zum Symbol geworden war. Diese zogen all das an sich, was ihrer Macht und dem Wohlstand des Herrscherhauses zu nutzen vermochte. So wie sie das Militär, die Bürokratie und die Volkswirtschaft den Staatszwecken dienstbar machten, bedienten sie sich auch der Schule. Mit ihrer Hilfe versuchten sie, die Armut und die Unwissenheit des Volkes zu bekämpfen, die Untertanen den Zwecken des Staates verfügbar zu machen, insbesondere den Jungen das Lesen und schreiben zu lehren, weil sie es im Militärdienst brauchten – und nicht zuletzt: In den Schulen konnte man auch die vielen zu Krüppeln geschossenen Kriegsinvaliden als Lehrer unterbringen. Also Gründe genug, die allgemeine Schulpflicht durch Strafandrohung durchzusetzen.

Von da an waren Schule und Unterricht Teil der Kindheit und unauslöschliche Bestandteile der Lebensgeschichte in unserer Kultur. Jeder weiß, was es heißt, mit anderen unter Anleitung beliebter oder unbeliebter Lehrer Dinge lernen zu müssen, die Spaß machen oder einem die Freude an der Schule verderben, was es heißt sich einfügen zu müssen, geprüft, gelobt oder bestraft zu werden und sich dabei zu bewähren und zu behaupten; und jeder hat es erlebt, wie schwierig es für die Lehrer ist, auch Schüler unterrichten zu müssen, die nur gezwungenermaßen zur Schule gehen und zum Lernen keine Lust haben. Der Dichter und Maler Wilhelm Busch hat sich darauf in der ihm eigenen hintersinnigen Weise im „Lehrer Lämpel" seinen Reim gemacht:

                    Also lautet ein Beschluß:

                    Daß der Mensch was lernen muß.

 Nicht allein das A – B – C

Bringt den Menschen in die Höh;

Nicht allein im Schreiben, Lesen

Übt sich ein vernünftig Wesen;

Nicht allein in Rechnungssachen

Soll der Mensch sich Mühe machen;

Sondern auch der Weisheit Lehren

Muß man mit Vergnügen hören. –

Daß dies mit Verstand geschah,

war Herr Lehrer Lämpel da. –

 

Der erste Lehrer in Börger war Lehrer Sievers, der 1824 von seinem Sohn abgelöst wurde. Wie die meisten Dorfschulen seinerzeit, war auch die Schule in Börger einklassig, d.h. alle Schüler wurden von einem Lehrer in einem Klassenzimmer unterrichtet. Die Schule stand am Esch – etwa dort wo heute das Haus Connemann (Ricken) steht. Über ihre Ausstattung und den Unterricht wissen wir nichts. Die Vorstellung von einer Schule in der „guten alten Zeit", von einer Schule in einer „heilen Welt" ist sicherlich falsch oder muss zumindest bezweifelt werden. Es wird in Börger so gewesen sein wie anderswo in deutschen Landen. Visitationsprotokolle, Beschwerden von Lehrern und biografische Berichte sprechen eine andere Sprache: Da ist die Rede von Schülerzahlen, die oft weit über 100 hinausgingen, von Lehrern, die selbst bescheidenen Anforderungen im Lesen, Schreiben und Rechnen nicht gewachsen waren, von erbärmlicher Lehrerbesoldung und viel zu kleinen oder baufälligen Unterrichtsräumen.

Für die Schulen auf dem Dorfe und das „bischen Lesen und Schreiben" brauchte man keinen gelehrten Schulmeister. Einen solchen hätten die Gemeinden auch nicht besolden können. Bis in 19. Jhd. Hinein konnte sich fast jeder, der einen guten Leumund besaß und sich dazu befähigt fühlte, um eine freie Dorflehrerstelle bemühen.

Am Ende des 18. Jhds. hat der aus Westfalen stammende Schriftsteller Joh. Heinr. Jung in seiner „Lebensgeschichte" seine Tätigkeit als Dorfschullehrer folgendermaßen beschrieben: „Des Morgens, sobald die Kinder in die Schule kamen, und alle beisammen waren, so betete er mit ihnen und katechisierte sie in den ersten Grundsätzen des Christentums nach eigenem Gutdünken ohne Buch; dann ließ er einen jeden ein Stück lesen; wenn das vorbei war, so ermunterte er die Kinder, den Katechismus zu lernen, indem er ihnen versprach, schöne Historien zu erzählen, wenn sie ihre Aufgabe recht gut auswendig können würden; während der Zeit schrieb er ihnen vor, was sie nachschreiben sollten, ließ sie noch einmal alle lesen und denn kam´s zum Erzählen. ... So war es auf seiner Schule Sitte und Gebrauch von einem Tag zum andren. Es lässt sich nicht aussprechen, mit welchem Eifer die Kinder lernten, um nur früh ans

Erzählen zu kommen; waren sie aber mutwillig oder nicht fleißig gewesen, so erzählte der Schulmeister nicht."

Das ist sicher ein idealisierender Bericht. Die kargen Lebensverhältnisse großer Teile der Landbevölkerung, ihre geringe Bereitschaft, die Kinder anstatt zum Viehhüten und zur Feldarbeit in die Schule zu schicken und die schlechten finanziellen Verhältnisse der Gemeinden boten keine günstigen Voraussetzungen für ein blühendes Dorfschulwesen. Die Anforderungen des Alltags und die Schwierigkeiten im Unterricht ließen manchen Lehrer hart werden oder resignieren. Viele griffen öfter zu Stock, als ihnen lieb war. Sie sahen keinen andere Möglichkeit, als auf diese Weise die Vorgaben der Lehrpläne und der Schulaufsicht durchzupauken oder mit der Widerspenstigkeit, der Faulheit und den beschränkten Fähigkeiten mancher Schüler fertig zu werden. Die körperliche Züchtigung gehörte damals zum Schulalltag. Eine Inschrift an der „Alten Schule „ zu Seesen lautet:

Hier lehret man den Kindern

und haut sie auf den Hintern

und zieht daraus mit Not

sein kärglich täglich Brot.

Im Jahre 1857 erhielt Börger eine 2. Lehrerstelle. Die alte Schule am Esch wurde abgebrochen und durch eine neue zweiklassige vor der Kirche ersetzt. Aus einem Schreiben des Königl. Hann. Kath. Consistoriums vom 1.10.1854 geht hervor, dass dieser Bau aus dem Material der alten Kirche errichtet wurde oder zumindest errichtet werden sollte. Bei dem großen Brande am 21.3.1881 wurde dieses Gebäude neben 20 Häusern ein Raub der Flammen. Bereits am19.7.1881 wurden die Aufträge für den Neubau vergeben. 29 Jahre später – die Schülerzahl war auf über 200 angewachsen und eine 3. Lehrerstelle war eingerichtet worden – wurde die Schule durch ein drittes Klassenzimmer erweitert, das am 1.4.1911 schließlich bezugsfertig war. Bereits 8 Jahre nach der Einweihung durch Pfarrer Lüken wurde die Schule vierklassig. Und mit Beginn des Schuljahres 1929/30 zeigte sich dann endgültig, dass das Gebäude zu klein war. Bis 1936 stiegen die Schülerzahlen an auf 281. Acht Jahre wurden Pläne geschmiedet: Anbau, Umbau, Neubau! Am 15. Februar 1937 war es dann endlich so weit! Die alte Schule wurde abgebrochen und eine neue errichtet. Besondere Verdienste um das Zustandekommen des Baus hat sich vor allem der damalige Bürgermeister Hermann Kuckshinrichs erworben. Fast sämtliche Bauhandwerker des Dorfes konnten bei dem Bau beschäftigt werden. Die veranschlagten Kosten in Höhe von 89.000 RM wurden nicht überschritten. Am 10. Jan. 1938 war die Schule bezugsfertig.

Es war eine Schule entstanden, die seinerzeit Beispielcharakter besaß. Beispielcharakter aus folgenden Gründen: Die Schule hatte – was damals noch eine Seltenheit war - einen Werkraum und eine Küche. Und vor allen Dingen wurde hier Schluss gemacht mit dem dunklen unhygienischen Mief seinerzeit. Die Räume besaßen große Fensterflächen, war hell und gut belüftbar. Im Keller waren 10 Duschen und zwei Wannenbäder installiert, die nicht nur von den Kindern, sondern auch von den Erwachsenen benutzt wurden. Überhaupt waren die Bemühungen sehr intensiv, durch Verbesserung der hygienischen Verhältnisse, den Epidemien Herr zu werden. In der Zeit vor dem 1. Weltkrieg und zwischen den Kriegen bedrohten Seuchen wie Tuberkulose, Masern, Ruhr und Grippe die Existenz der Menschen. Viele starben. 1936 berichtet Hauptlehrer Suermann: „Auffallend ist, dass von den gestorbenen 17 Personen (in Börger) 7 Kinder unter 10 Jahren sind. ... Wenn auch die Kindersterblichkeit in diesem Jahre besonders hoch ist, so ist sie auch in den anderen Jahren höher als im Reich."

Bald nach Fertigstellung der Schule brach der 2. Weltkrieg aus. Das Gebäude überstand die Kriegsjahre heil, wurde allerdings in den ersten Nachkriegsjahren von den Besatzungstruppen arg ramponiert. Nachdem die gröbsten Schäden wieder behoben worden waren, genügte sie den Anforderungen bis Anfang der Sechzigerjahre. Mit der Errichtung der Klasse 9 an der Volksschule Börger im Jahre 1966 stieg die Schülerzahl auf 333 an.

Schon 1963 begannen auf Grund steigender Schülerzahlen Planungen für eine neue Schule – nach dem damaligen Schulkonzept für eine sogenannte Mittelpunktschule. Ein Umbau und Anbau an das bisherige Gebäude scheiterte an den engen Platzverhältnissen. Eine evt. Vergrößerung des Platzes durch den Ankauf des Hofes von Johann Spark konnte später aus Kostengründen nicht verwirklicht werden. Nach langem Hin und Her begann man in den Bauerntannen mit den Bauarbeiten und zwar am 9. Juni 1967. Die Arbeiten gingen zügig voran.

Am 27. August 1968, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, war der erste Bauabschnitt soweit fertig gestellt, dass der Unterricht in 6 neuen Klassenräumen beginnen konnte. Damit standen der Schule 12 Klassenräume (6 in der alten und 6 in der neuen Schule zur Verfügung, so dass für jede Klasse ein Raum vorhanden war.

Bei der Endabrechnung stellte man fest, dass statt der veranschlagten Bausumme von 750.000 DM nur 640.000 DM verbraucht worden waren. (Wo gibt es das heute noch?)

1971 wurde dann der vorhandene Baukörper durch den Anbau 2 weiterer Klassen vollendet.

Erst 1984 erhielt die Schule durch einen Anbau am Toilettentrakt funktionsgerechte Verwaltungsräume. Schließlich folgte dann noch im Jahre 1988 die wirklich gelungene Sanierung der sog. Alten Schule.

Schließt man die Anfang der Siebzigerjahre errichtete Turnhalle, das 1976 errichtete (und jetzt wieder total sanierte) beheizte Freibad und die neuen Sportanlagen von 1989 mit ein, kann man sagen, dass die Schule Börger heute fast ideale Voraussetzungen für den Schulbetrieb besitzt.

Im Januar des Jahres 1992 wurden die Börgeraner aufgeschreckt durch eine Verfügung der Bezirksregierung, dass die Hauptschule bis Sommer 1994 aufgrund unzureichender Schülerzahlen auslaufen sollte. Was seit Jahren befürchtet wurde, woran aber niemand so recht glauben mochte, hat nun die Bevölkerung offensichtlich aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Ob der Zug noch angehalten werden kann? In der Zwischenzeit wurden die Schulbezirke geändert. Kinder aus Spahnharrenstätte und Werpeloh besuchen seit 1999 die Hauptschule in Börger. Sie scheint somit in ihrer Existenz gesichert.